18. Oktober 2016

Bewusster Nähen

Ich bin sicher die meisten von euch kennen die Euphorie die einen die erste Nähzeit durch begleitet.
Es gibt so viele tolle Stoffe, so viele günstige Angebote, Freebooks, Sew Alongs, Inspirationen die zum Nachmachen einladen usw. usf.

Und wie verlockend die Probenähaufrufe, wie groß die Freude Teil dieser tollen Teams sein zu dürfen und seine Bilder dann auf den Seiten namhafter Blogger oder gar Stoffhersteller zu finden.

Und plötzlich - drängeln sich in deinem Kopf (na ja im Idealfall ja im Kalender, aber bei mir halt doch meistens im Kopf) die Termine zu Abgabe und Veröffentlichung, die Tage an denen dringend noch etwas fotografiert werden muss und gleichzeitig stapeln sich in den Kleiderschränken plötzlich die Shirts, Röcke und Kleider höher als sie getragen werden können. 
Und die günstig erstandenen Stoffe von den Märkten, den Ausverkäufen usw. die stapeln sich auch.

Ich versuche gerade ein gutes Maß zu finden und bewusster zu nähen.
Seit einiger Zeit ist es ruhiger hier. Es ist einfach so, es gibt weniger zu zeigen. Ich liebe das Nähen und das Fotografieren, ich will das wir hier geliebte gut gearbeitete Einzelteile haben die wir viel nutzen.


  • Bewusster heißt - sich mehr Gedanken zu machen ob das Kleidungsstück wirklich noch getragen werden kann oder das Kind halt jetzt einfach grad genug Langarmshirts hat
  • Bewusster heißt - sich länger mit der Vorbereitung zu beschäftigen um dann hinterher wirklich zufrieden sein zu können
  • Bewusster heißt - nur zu nähen was zu einem passt, ob das nun Trend ist oder nicht
  • Bewusster heißt - sich genauer mit den Stoffen zu beschäftigen, neue Stoffarten zu entdecken, sich Gedanken über die Produktionsstätten und verwendete Farben und Materialien zu machen 
  • Bewusster heißt - für die einzelnen Schnitte und Materialien vielleicht teilweise mehr Geld auszugeben, aber nicht in Summe. Die Qualität erhöhen, nicht die Quantität.
    Das ist ein enorm wichtiger Punkt! Hochwertige Stoffe und Zubehör, sowie gut gemachte, aufwändig getestete Schnitte und Dateien sind das A und O. Nur so kann man wirklich gute Ergebnisse bekommen. Lieber genauer berechnen und weniger Reste produzieren und dafür vielleicht doch den Bio-Stoff wählen können. Natürlich ist das auch eine Frage des Könnens das ist mir schon klar, aber ihr wisst hoffentlich was ich meine.

Es soll nicht heißen nicht mehr "mitzumachen", sondern für uns, für unsere Zeit, unsere Nerven, unseren Geldbeutel, unsere Freude am Nähen - wieder mehr darüber nachzudenken wo wir mitmachen wollen.


Ich mag das Probenähen sehr, die Herausforderung, die Gruppendynamik und manchmal sogar den Termindruck. Ich bin wahnsinnig stolz, dass ich Teil toller Gruppen sein darf und dass so tolle Shops mir das Vertrauen schenken Designbeispiele für ihre Stoffe zu nähen.
Aber ich wähle aus, schon seit einiger Zeit und ich muss mich immer wieder verstärkt an die eigene Nase packen. Gerade habe ich mich bzw. meine Zeit oder meine Energie wieder überschätzt und mich für zwei Probestickgruppen gemeldet - wirklich motiviert, aber ich schaffe es gar nicht so wie ich möchte. Schade für mich und vor allem für die Designer, ich will ja auch keine lieblosen Beispiele abliefern.

Es bleibt mir auch unbegreiflich wie viel Unterstützung es immer wieder für schlecht gemachte Kopien an allen Fronten gibt. Aber das ist wohl ein anderes Thema. ;)

Warum ich das jetzt heute geschrieben habe? Keine Ahnung - eigentlich wollte ich das schon lange mal sagen.
Ich nähe für uns- wir müssen die Sachen lieben, tragen und nutzen - und nicht in erster Linie für die Stoff- und Schnitthersteller. Das sollte immer im Vordergrund stehen! :-*
 
Das zauberhafte Tuch das meine Tochter hier auf den Bildern trägt hat mich heute dazu gebracht das Thema anzuschneiden und wenn ich mir den Text so ansehe dann war da mehr dahinter als ich gedacht hatte.


Ich habe es bereits vor einiger Zeit kurz auf Facebook und auf Instagram gezeigt aber ich hatte das Gefühl dass es nicht interessant genug für einen Blogpost ist. Hm, das sollte es aber, oder?

Es ist entstanden aus dem wunderbar weichen Double Gauze von Kokka eine Stoffart aus 100% Biobaumwolle die ich dieses Jahr erst entdeckt habe. Doppellagig punktell verwebt, wirklich wahnsinnig weich und leicht. Ein Rest meiner Bluse von hier der somit optimal genutzt ist. Aus Double Gauze muss ich unbedingt auch für mich noch ein Tuch nähen.

Bis jetzt hatte die Tochter eher normale Schals oder so Halssocken, aber sie wird größer und hat sich halt auch so ein Tuch gewünscht wie die Großen sie tragen. Die zauberhafte Ballerina mit ihren Schleifchen und Tütü passt da perfekt zu der Klöppelspitze rundherum. Und so ein Accessoire trägt man meist sogar öfter als einzelne Kleidungsstücke.



Stoff: Double gauze trefle rosa von Kokka
Stickdatei: Ballerina von Paul & Clara
Schnitt: nur ein Dreieck ;-)

verlinkt zu ich näh bio

Jetzt bin ich gespannt wie ihr das so seht? Versteht ihr was ich meine? Kennt ihr das oder habt ihr das bewusste Nähen eh schon immer gemacht?

Alles Liebe
Anna

Kommentare:

  1. Hallo Anna,
    Ein absolut wichtiges Thema. Mir geht es auch oft so, dass ich mir zu viel vornehme und nicht mehr bewußt Nähe, wobei leider keine Kleiderstapel in den Schränken sind, denn ich habe mich bewußt gegen kaufen und für Handmade entschieden.
    Liebe Grüße
    Maren

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  2. Liebe Anna,

    das Problem mit dem Kaufrausch (Ebooks, Garn, Stoff, Stickdateien, Plotterdateien, Webbänder, etc.) kenne ich sehr gut.

    Beim Probenähen habe ich mich allerdings schon immer zurückgehalten. Ich finde es seltsam, dass man sich bei Aktionen dieser Art "bewerben" muss - in meinen Augen sollten die Schnittdesigner froh sein, wenn jemand sich freiwillig meldet, um einen Schnitt auszuprobieren und evtl. noch Verbesserungsvorschläge macht.
    Ich warte dann lieber wenn der Schnitt fertig ist und dann wird er (vielleicht) gekauft und genäht. Aus diesem Grund befinden sich auch nur Sachen in den Schränken meiner Kinder, die auch wirklich getragen und gebraucht werden.

    Viele Grüße
    Janine

    P.S.
    Das Tuch gefällt mir richtig gut. Ein Mädchentraum ;-)

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  3. Das hast Du schön geschrieben! Ich bin auch nur noch in den Gruppen, die mir wirklich wichtig sind! Alles andere ist nur Stress - und das soll unser Hobby ja nun wirklich nicht sein!
    Lieben Gruß
    Gisi

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  4. Ich bin da ganz bei dir. Ich nähe nur was wir wirklich brauchen und auch tragen können. Die Teile sind bei uns oft so gerne und oft getragen, dass sie nach 2 Kindern wirklich durch sind. Man sieht ihnen an, dass sie geliebt wurden. Oft seh ich tolle Stoffe oder Schnitte und denk mir, du musst das nähen, aber oft sagt mir mein Verstand dann, nein die Jungs haben gerade genug im Schrank! Also ja, ich mag den Gedanken nachhaltiger zu nähen.

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  5. Hallo Anna,

    super schönes Tuch (Design schon gemerkt) und super guter Beitrag.
    Ich nähe nun wieder seit knapp einem Jahr und habe mich seit dem einigen Facebookgruppen angeschlossen. Das ist Fluch und Segen zugleich. Segen... man erhält oft schnelle Antwort auf Fragen, wenn man irgendwie beim Schnitt, Nähen oder bei der Stoffauswahl Schwierigkeiten hat oder Hilfe benötigt. Das ist super. Fluch... was ich nicht gedacht hätte, man läßt sich doch tatsächlich von der Euphorie bei neuen Stoffen und SM anstecken und muss aufpassen, dass man nicht mehr kauft, als man tatsächlich vernähen kann. Gott sei dank, kann ich mich dem noch mehr entziehen, als dass es mich vereinnahmt. Das liegt aber auch nur daran, dass ich für meine Zwillingsenkelmädchen nähe und damit doppelte Stoffmenge brauche und es dann doch sehr schnell recht teuer wird.
    Einmal habe ich bis jetzt auch schon bei einem Probenähen mitgemacht. Es war eine super Erfahrung aber auch Stress. Weil.... natürlich habe ich mich mit den Zwillingen angemeldet...also alles doppelt nähen. was aber am meisten Stress dabei macht, sind die Fotos nach dem Nähen. Ich bin immer völlig geplättet was manche so schön zusammennähen, wenn ich aber dann noch die Fotos sehe.... dann fühle ich mich immer ganz klein und häßlich. Sind das denn immer alles Übermammas denke ich dann. Können die ALLES?
    Fazit für mich: Ich nähe für meine Enkelkinder (Damentwins 11 Monate, Enkelsohn bald 8 Jahre) wie ich Zeit und Lust habe, was meine Tochter gerade für ihre Kinder braucht. Stoffe suchen wir manchmal gemeinsam aus. Klar freue ich mich über jedes fertige Teil und veröffentlicche es auch in meist nur einer Gruppe. Natürlich freue ich mich auch über viele Daumen hoch. Aber am meisten freue ich mich, wenn meine Enkelkinder die Sachen auch wirklich und kontinuierlich angezogen bekommen, sie manchmal total in von mir genähten Sachen kommen (ich sehe meine Enkelkinder jeden Tag) und meine Tochter sich freut wie gut sich die Sachen anziehen lassen, nicht einlaufen und immer gut passen oder meine Mutter, die Uroma immer wieder von den Sachen total begeistert ist und fragt, wie machst du das nur.

    Huch, soviel wollte ich gar nicht schreiben, aber das mussste wahrscheinlich auch mal raus. Ich weiß wir kennen uns nicht. Bin durch die neue Facebookgruppe von Manuela Thiemig bei Dir gelandet und werde Dich nun auch auf Deinem Blog begleiten. Mir gefällt, was Du so zeigst.

    Liebe Grüße aus Brandenburg
    Sylvia

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  6. Was für eine schöne Anregung! Danke dafür. Ich habe immer eine kleine Liste. Auch bei uns wird so gut wie nichts gekauft und auf der Liste stehen die "zu nähenden" Dinge für meine kleine Maus. Alles was genäht wurde wird dann auch getragen und bisher auch sehr gern. Allerdings ist sie auch erst 1 Jahr und 4 Monate alt :) der Widerspruch liegt also erst noch vor uns.

    Nachhaltigkeit auch im Sinne der Ressourcenschonung - Stoff/Material und Zeit - sollte uns in allen Lebensbereichen begleiten. Auch oder vorallem bei unserem Hobby.

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  7. Liebe Anna!

    Ich weiss genau was du meinst, vo ein paar Tagen hab ich mir auch ganz viele Gedanken zu ähnlichen Themen gemacht: http://selbermachen-macht-gluecklich.de/right-direction/

    Ein paar Tage späten entstand dann meine erste Bio-Linkparty, um um umweltbewusster Kreativität mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wäre schön wenn du mit deinen Bio-Posts da auch mit dabei bist. Diese Woche gibt es übrigens eines von 2 Stoffpaketen zu gewinnen. Hier ist der Link: http://selbermachen-macht-gluecklich.de/bio-stoff-linkparty-2-verlosung/

    Glg, Birgit

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  8. Mit Probenähen kommt einem das bewusste Nähen total abhanden. Vor allem, wenn man in einem festen Team ist und sozusagen regelmäßig gefragt ist. Das mache ich jetzt nicht mehr, bzw. kann ich mittlerweile auch "nein" sagen. Für mich nähe ich eigentlich schon sehr bewusst. Mein letztes Sommershirt habe ich im Juli genäht und damit war es dann auch gut. Ich hatte alles was ich wollte. Für die Kleine entstehen schon mal Teile, die dann recht viel im Schrank hängen. Manchmal liegt es daran, dass sie immer wieder ihre Lieblingsteile anziehen will und auch daran, dass ich mich in ihrem Geschmack verschätzt habe, oder die Teile dann doch unpraktisch sind, obwohl sie ein ganz besonderer Schnitt waren. Das passiert aber auch mit Kaufkleidung, denke ich (habe schon so lange keine mehr gekauft).
    Ich verstehe voll und ganz, was Du meinst. Was mir vor allem schwer fällt ist der Umgang mit Stoffen. An denen komme ich ganz schlecht vorbei und so schnell wie sie gekauft sind, kann man die gar nicht vernähen. Da brauche ich noch ein Rezept für mich. Oder vielleicht kommt doch irgendwann mal die Übersättigung.
    LG
    Kerstin

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  9. Ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen. Aus diesem Grund habe ich das Probenähen immer mit Skepsis betrachtet, vor allem dass Stoffhersteller oder -verkäufer "Überraschungspakete" verschicken, aus denen was genäht werden soll. Da bin ich dann verpflichtet, ein tolles Designbeispiel aus Stoffen zu nähen, die mir vielleicht gar nicht gefallen?!

    Ich habe mir vorgenommen, Stoff nur noch projektbezogen zu kaufen. Und den vorhandenen Stoffberg abzuarbeiten, auch wenn das wohl Jahre dauern wird :-)

    LG Nicole

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